Sobald ein Casino Spiel auch nur den geringsten Spielervorteil bietet, finden ihn Spieler sofort. Sei es eine besondere Eigenart in den Regeln, ein winziger Programmierfehler oder einfach nur eine kleine Unachtsamkeit – gewiefte Spieler nutzen diesen Vorteil sofort.

Deswegen wurde an den neuen Gemeinschafts-Slots, bei denen Spieler gemeinsam in die Bonusrunde vorrücken, eine Regelneuerung eigeführt: zum Spiel in der Bonusrunde sind nur noch wirklich aktive Spieler berechtigt. Dadurch soll vermieden werden, dass Spieler, die während des Spiels gar nicht, nur minimal oder sehr langsam setzen, von dem Engagement ihrer Mitspieler profitieren, mit ihnen in die Bonusrunde vorrücken und dort dann schließlich den ganz großen Gewinn abstauben.

Das viele Spieler diese Möglichkeit schamlos ausnutzen würden, beruht nicht nur auf einer bloßen Annahme der Softwareentwickler. Den Beweis dafür lieferte in den 90er Jahren das Spiel mit dem Namen „Flush Attack”.

Auf den ersten Blick machte „Flush Attack“ den Eindruck eines eher langweiligen Spielautomaten, mit einer Auszahlungsrate, die nicht weit über 90% hinaus ging. Allerdings bot das Spiel eine ganz besonders lohnenswerte Zusatzfunktion…

In den meisten Fällen erfolgte die Gewinnauszahlung in einem ganz normalen Rahmen: 5:1 für ein Full House bzw. 25 Spielchips für einen maximalen Einsatz von fünf Chips. Wenn allerdings an allen Automaten einer gewissen Reihe eine bestimmte Anzahl von Flushes erdreht wurde, zeigten plötzlich auch alle anderen Maschinen einen möglichen Gewinn in Form einer „FLUSH ATTACK!” auf dem Bildschirm an.

Dies bedeutete, dass beim nächsten Flush, der von einem Spieler erdreht wurde, der Gewinn im Verhältnis 25:1 ausbezahlt würde, also 125 Chips für einen Einsatz von fünf Spielchips – viermal so viel wie bei einem „normalen“ Flush.

Diese Regel bot ausgefuchsten Spielern mit der nötigen Portion Geduld die Gelegenheit, einfach solange am Spielautomaten abzuwarten, bis der Attack-Modus von einem anderen Spieler ausgelöst wurde.

Einer der ersten professionellen Video Poker Analysten und gleichzeitig mein guter Freund und Mentor, der inzwischen verstorbene Lenny Frome, hat schon damals vor den betrügerischen Aktivitäten gewarnt, denen die Designer von „Flush Attack“ die Türen geöffnet haben.

„Ich habe ihnen gesagt, dass lokale Spieler die Unwissenheit von Touristen ausnutzen würden“, sagte Frome damals. „Einheimische Spieler müssen dafür lediglich so lange spielen, bis sie einen Flush oder die vier Teile, aus denen sich ein Flush zusammensetzt, gedealt bekommen. Dann müssen sie einfach so lange untätig am Spielautomaten sitzen bleiben, bis ein anderer Spieler eine „Flush Attack“ auslöst. Erst dann beenden sie Ihren Spielzug und sahnen so den ganz großen Gewinn ab. Die Spieldesigner waren sich zwar der dieser Möglichkeit bewusst, haben ihr Eintreten allerdings komplett verdrängt.”

Natürlich hat es nicht lange gedauert, bis ein paar clevere Spieler mit Büchern oder der Tageszeitung im Casino anrückten, um sich die Wartezeit bis zur nächsten „Flush Attack“ angenehmer zu gestalten. So hatten diejenigen Spieler, die die „Flush Attack“ tatsächlich ausgelöst hatten, eigentlich kaum eine Chance, im Anschluss auch den ganz großen Gewinn abzustauben. Der Flush eines anderen Spielers wartete schließlich meist schon in den Startlöchern.

Kurze Zeit später wurden die Spielautomaten umprogrammiert, das Problem behoben und Gegenmaßnahmen getroffen. Inzwischen kann kein Spieler mehr nur darauf warten, bis ein Mitspieler den Gemeinschafts-Bonus auslöst. Dieser ist ausschließlich „echten“ Spielern vorbehalten.

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